Podiumsdiskussion: Pflege – Sozialstaat auf höchstem Niveau?

Veröffentlicht am 25.06.2024 in Presse

MdB Christoph Schmid zusammen mit seinen Gästen bei einer Podiumsdiskussion

Pressemitteilung

 

Zu diesem Thema diskutierten der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Schmid und seine Gäste am vergangenen Donnerstagabend im Gasthaus Ente in Wemding. Neben der Landtagsabgeordneten Anna Rasehorn, der Präsidentin der AWO Schwaben Brigitte Protschka und der Sozialreferentin der Stadt Wemding Heidi Vogel, saßen auf dem Podium auch der Geschäftsführer und Pflegedienstleiter Dominik Zolnhofer sowie die Trägerin der Bayerischen Pflegemedaille Haidee Paul.

Zu Beginn der Debatte stellt der Bundestagsabgeordnete klar, dass die Etablierung der Pflegeversicherung vor 30 Jahren dazu führte, dass die Pflege ein elementarer Baustein des heutigen Sozialstaates wurde. Es bestünde ein grundgesetzlich verankerter Anspruch auf gute Pflege, die der Sozialstaat garantiere: „Natürlich gibt es das nicht zum Nulltarif, aber wir alle müssen dafür sorgen, dass nicht die Beschäftigten und die Hilfeempfänger die alleinigen Kosten für den Sozialstaat tragen müssen.“ Brigitte Protschka unterstich in diesem Zusammenhang, dass der Sozialstaat keine beliebige Wohlfahrtskomponente sei: „Der Sozialstaat ist darüber hinaus die Grundfeste unserer Demokratie. Die sozialen Sicherungsnetze zur Disposition zu stellen, schwächt also unser freiheitliches und demokratisches Zusammenleben – davor kann ich nur warnen“, spricht die AWO-Präsidentin deutlich aus. Zudem lege sie Wert darauf, dass Pflegeheime ausreichend finanziert werden, denn beim Grundsatz „ambulant vor stationär“ sehe sie die Belastung immer noch vorwiegend bei Frauen, die zu großen Teilen die private Care-Arbeit übernehmen würden. Daher sei die Stärkung der stationären Pflege so wichtig.

Heidi Vogel, Stadträtin und Referentin der Stadt Wemding für Seniorinnen und Senioren sowie für Menschen mit Behinderung, zeigte auf, welchen Beitrag Kommunen leisten können, um Pflege vor Ort zu sichern: Neben Quartiersentwicklung, die barrierefreies Wohnen fördere, sei dies gerade auch die finanzielle Unterstützung der Stadt für die sozialen Einrichtungen wie das Seniorenheim, die Caritas Sozialstation oder die 2022 eingeführten Tagespflege.

Allen anwesenden sei sehr bewusst, dass der Bedarf an Pflegekräften nur durch Personalgewinnung im Ausland zu stemmen sei. Um hier nicht nur über Zugewanderte zu sprechen, sondern mit ihnen, war Altenpflegehelferin Haidee Paul aus Nördlingen eine wertvolle Bereicherung des Podiums. Sie stellte als gebürtige Philippina eindrücklich dar, wie viel Zielstrebigkeit notwendig sei, um hier als ausländische Fachkraft anerkannt zu werden. „Ich habe mich für den Beruf der Pflegerin bewusst entschieden. Ich versichere Ihnen, dass wir Pflegerinnen und Pfleger unserer Arbeit mit dem Herzen nachgehen und sie gut machen“, versicherte Frau Paul, um Vertrauen zu gewinnen und für ihren Berufsstand zu werben.

 

Der Geschäftsführer der ambulanten Pflege St. Josef GmbH, Dominik Zolnhofer stellt als Arbeitgeber in den Vordergrund, wie wichtig den Mitarbeiter:innen verlässliche Dienstpläne seien. Um diese zu gewährleisten, wünsche sich Zolnhofer die Implementierung von Springer-Pools und die Einführung von Rufbereitschaftsdienste, um personelle Engpässe zu überbrücken. Unabdingbar seien außerdem die Schaffung von ,,Elterntouren'', um die Wünsche von Pflegenden mit Kindern bei der Dienstplangestaltung zu berücksichtigen. Die derzeitigen Modelle der Leiharbeit sehe er ebenso kritisch wie seine Vorredner: „Das muss schnellstmöglich unterbunden werden.“ Der Geschäftsführer mahnte außerdem an: „Um pflegebedürftige Menschen gut und würdig versorgen zu können, muss die Pflegeversicherung kontinuierlich weiterentwickelt und der Beitragssatz entsprechend angepasst werden.“

 

Als gelernte Altenpflegehelferin brach Anna Rasehorn, MdL, eine Lanze für ihren Berufsstand und äußerte sich gleichzeitig selbstkritisch: „Auch die Beschäftigten in den Pflege-Berufen dürfen ihre Interessen in Gewerkschaften und Verbänden selbstbewusst vertreten. Die Arbeitsbedingungen sind das A und O bei Fragen der Personalgewinnung – die Höhe des Gehaltes ist dabei nur einer von mehreren Faktoren,“ sagt die Abgeordnete und wirbt dabei für das 35-Stunden-Modell der AWO Augsburg.

Der Abend galt nicht nur dem politischen Austausch. Die Beiträge aus dem Publikum, teils Fachexperten, teil interessierte Bürger:innen, sorgten dafür, dass auch auf konkrete Hilfsangebote hingewiesen wurde. So warb einerseits die stellvertretende Fachbereichsleitung des Landratsamtes Donau-Ries Heike Meyr für den Pflegestützpunkt. Hier wird individuelle Beratung bei Fragen rund die Pflege auch präventiv angeboten. Außerdem lag für die fast 50 Teilnehmer:innen die „Notfallmappe“ der Stadt Wemding aus. Die Veranstaltung wurde so zu einer echten Plattform, auf der alle Beteiligten wertvollen Input mit nach Hause nehmen konnten.

 

Kontaktdaten und Pressefotos finden Sie hier.

 

Homepage Christoph Schmid, MdB

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